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Was geht bei einem Angriff in mir vor?

Cortisol ist der Stoff, aus dem Stress gemacht ist. Ein digitaler Angriff lässt wie jede Bedrohungssituation deinen Cortisol-Spiegel im Körper steigen – und verursacht Stress. Und was geht in deiner Psyche vor, wenn du viele Menschen auf Twitter oder Facebook über dich reden hörst? Es ist wie ein Schock. Dich trifft der Umstand, bloßgestellt und deiner Privatsphäre beraubt zu werden. Deine Gedanken beginnen zu kreisen. Das kann in eine Abwärtsspirale, bis hin zur Depression, führen.

„Bei psychischen Gewaltakten, die in der Anonymität verankert sind, ist die Gefahr groß, dass man alles allein auf sich bezieht“, erklärt die Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Bettina Moll. „Es ist das gerichtete Ungerichtete eines solchen Angriffs, das einem zu schaffen macht: Man wird zum Objekt gemacht, kann aber auch nur Objekte wahrnehmen.“

Eben hier liegt der perfide Charakter eines digitalen Hass-Angriffs: Du wirst auf etwas reduziert, ohne dass du deinen Ärger, deine Wut, deine Unverständnis an jemand richten und adressieren kannst. Denn: Die Verursacher treten als gesichtslose, anonyme Masse wie hinter einer Maske auf. Die direkte zwischenmenschliche Klärung des Konflikts ist unmöglich.

Der Schlüssel zur Verarbeitung liegt darin, Schritt für Schritt den Mechanismus des Angriffs umzukehren. Vom Subjekt zum Objekt, das bezwecken deine Angreifer. Der Weg hinaus: Sich wieder als menschliches Subjekt zu erleben. Wahrnehmen, was ist. Bewusstwerden, wie du dich fühlst. Machen, was dir hilft. Und dir klarzumachen, dass du weiterhin Entscheidungen treffen kannst. Was das genau bedeutet, erklären wir dir ausführlicher in den nächsten Kapiteln.

 

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