Schutz vor digitaler Gewalt im öffentlichen Dienst: DGB und HateAid stellen Kooperation vor
Immer mehr Beschäftigte im öffentlichen Dienst erleben digitale Gewalt. Das zeigt eine repräsentative Umfrage, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) heute auf der Konferenz „Zusammenhalten! Zusammen handeln!“ in Berlin vorgestellt hat. Die Veranstaltung markiert den Auftakt einer Kooperation mit HateAid, die Betroffene künftig stärker schützen soll.
38 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst haben bereits direkt oder indirekt Anfeindungen erlebt, bei Polizei, Justiz, Verteidigung und im höheren Dienst ist der Anteil teils doppelt so hoch. 61 Prozent der Betroffenen leiden unter emotionaler Belastung durch die Vorfälle, bei 40 Prozent wirken sich die Angriffe negativ auf Arbeitsleistung und Konzentration aus. Ganze 13 Prozent haben darüber nachgedacht, aufgrund des Vorfalls die Arbeitsstelle zu wechseln.
Das zeigt eine repräsentative Umfrage, die heute bei der Konferenz „Zusammenhalten! Zusammen handeln!“ in Berlin vorgestellt wurde. Die Befragung wurde im August 2025 von forsa im Auftrag des DGB durchgeführt und liefert erstmals belastbare Zahlen für den öffentlichen Dienst zur Bedrohungslage im Internet. Insgesamt wurden 1.008 Personen befragt.
Die Umfrage zeigt auch, dass vielerorts ein klarer Umgang mit digitaler Gewalt fehlt: 59 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst wissen nicht, wie bei digitaler Gewalt vorzugehen ist. Auch wandten sich lediglich 14 Prozent der Betroffenen an die Polizei. Hier sieht der DGB die Arbeitgeber in der Pflicht, flächendeckend für Schutzkonzepte, Meldeketten und Unterstützungsangebote zu sorgen.
Vor diesem Hintergrund kooperiert der DGB ab sofort mit der Menschenrechtsorganisation HateAid für Angebote zur Prävention, Beratung und Unterstützung bei digitaler Gewalt.
Dazu Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende:
„Die Zahlen sind ein Alarmsignal, das wir ernst nehmen müssen. Digitale Gewalt verursacht weit über den eigentlichen Vorfall hinaus Schäden und beeinträchtigt die Arbeitsfähigkeit der Betroffenen langfristig. Es ist klar, dass wir uns digitaler Gewalt genauso entschlossen entgegenstellen müssen wie körperlichen und verbalen Angriffen. Einen wichtigen Schritt dorthin gehen wir heute mit der neuen Kooperation von DGB und HateAid.“
Geplant sind neben Schulungsformaten auch gemeinsame Informations- und Beratungsangebote, um noch mehr Betroffenen niedrigschwellige und professionelle Unterstützung anbieten zu können. Ein erstes Ergebnis ist der kürzlich erschienene Praxisratgeber zu digitaler Gewalt, der unter mensch.dgb.de/hilfe kostenfrei heruntergeladen werden kann.
Dazu Josephine Ballon, Geschäftsführerin von HateAid:
„Digitale Gewalt und gesellschaftliche Verrohung sind heutzutage auch im beruflichen Kontext allgegenwärtig. Wenn Mitarbeitende bedroht, beleidigt oder eingeschüchtert werden, ist das nicht ihre Privatsache, sondern geht uns alle etwas an. Umso wichtiger ist es, dass Betroffene wissen: Sie sind nicht allein. Mit der Kooperation zwischen dem DGB und HateAid schaffen wir Strukturen, die ihnen Schutz, Beratung und konkrete Handlungsoptionen geben.“
Weitere Informationen zur Umfrage, zur neuen Kooperation zwischen HateAid und DGB, zu den Hilfsangeboten sowie zur Initiative „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“ finden Sie auf mensch.dgb.de.
HateAid gGmbH
Die gemeinnützige Organisation HateAid wurde 2018 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Berlin. Sie setzt sich für Menschenrechte im digitalen Raum ein und engagiert sich auf gesellschaftlicher wie politischer Ebene gegen digitale Gewalt und ihre Folgen. HateAid unterstützt Betroffene von digitaler Gewalt konkret durch Beratung und Prozesskostenfinanzierung. Geschäftsführerinnen sind Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon.
HateAid ist Trägerin der Theodor-Heuss-Medaille 2023, des Rothenburger Preises für Erinnerung und Zukunft, des Wertepreises für Demokratie der Werte-Stiftung und des For..Net Awards der Technischen Universität München.
Rückfragen an die HateAid gGmbH bitte an:
presse@hateaid.org Tel.: 030 25208837
Für Rückfragen zur Umfrage und zum DGB wenden Sie sich bitte an die DGB-Pressestelle:
nora.neye@dgb.de Tel.: 030 24 060-212
