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Romance Scam – Schütze dich vor Dating-Schwindel im Netz!  

Ob auf Tinder, Facebook oder Instagram: Die große Liebe in sozialen Netzwerken oder auf Dating-Plattformen zu finden, ist heutzutage gar nicht mehr so abwegig. Doch zwischen all den Kuss-Emojis, Liebesschwüren und Gute-Nacht-Nachrichten solltest du beim Online-Dating wachsam bleiben und auf bestimmte Warnsignale achten. Denn Schwindler*innen mit Fake-Profilen gibt es inzwischen leider in Hülle und Fülle. Mit der  Betrugsmasche Romance Scam ergaunern sie sich bei verliebten Betroffenen manchmal Geldbeträge in Millionenhöhe.  

Wie Täter*innen beim Romance Scam vorgehen 

Oft bahnen sich solche betrügerischen Bekanntschaften über Privatnachrichten an. Die sogenannten Romance Scammer nutzen öffentlich verfügbare Informationen von Betroffenen und schreiben sie gezielt an. Charmant, zuvorkommend und attraktiv kommen sie daher und legen mit liebevollen Nachrichten schnell den Grundstein für eine Beziehung, die sich für die frischverliebten Betroffenen ernsthaft und respektvoll anfühlt.  

Nach einiger Zeit bitten sie die Betroffenen um Geld. Die Gründe sind unterschiedlich. „Ich stecke hier in den USA fest und möchte endlich bei dir in Deutschland sein!” oder „Mein Vater ist gestorben und ich komme nicht an sein Erbe heran!” sind übliche Vorwände, um an das Geld der Betroffenen zu kommen. Erst sind es nur kleine Beträge. Dann wird es immer mehr. Betroffene vertrauen ihren Bekanntschaften so sehr, dass sie überhaupt nicht hinterfragen, wenn sie immer wieder um neue Überweisungen gebeten werden und die Geschichten von Mal zu Mal abstruser werden.  

Betroffene fühlen sich wie in einer anderen Realität 

So erzählt es die Expertin Sandra Rohrsen im Telefoninterview. Sie ist Hauptkommissarin bei der Polizei Berlin und ermittelt in zahlreichen Fällen von Romance Scam. Täter*innen gehen der Expertin zufolge oft nach einem ähnlichen Schema vor und wenden ausgefeilte Manipulationstechniken an, um Betroffene für sich zu gewinnen. „Was die Täter*innen da machen, ähnelt dem Vorgehen von Verkaufsprofis, das haben Psycholog*innen bei Analysen herausgefunden”, erklärt sie. „Betroffene werden mit den erfundenen Geschichten so manipuliert, dass sie sich fühlen wie in einer anderen Realität. Manchmal dauert das Monate oder sogar Jahre an und sie können überhaupt nicht mehr wahrnehmen, was wahr ist und was nicht.”  

Oftmals spielen sich solche erfundenen Geschichten weit weg von der Heimat der Betroffenen ab. Romance Scammer geben zum Beispiel vor, dass sie in einem Krisengebiet, etwa in Syrien oder dem Irak, arbeiten. Meist erzählen sie von ihrem Job in einer renommierten internationalen Organisation, etwa bei Ärzte ohne Grenzen. Dafür kreieren sie Profile bei Job-Netzwerken, geben alle Details aus ihren Geschichten auch bei Social-Media-Plattformen an. „Alles, was die Täter*innen erzählen, können Betroffene googlen”, sagt Rohrsen. Das Lügenkonstrukt ist bis ins letzte Detail ausgearbeitet, mit gefälschten Nachweisen, die täuschend echt aussehen, extra angelegten Websites und vermeintlich seriösen Personen, wie Anwält*innen, Kolleg*innen oder Verwandten, die die erfundene Geschichte stützen.

Der Schatten eines Liebespaares am Strand.
Die Liebesgeschichte fühlt sich so echt an, auch wenn im Analogen nie ein Treffen stattfindet. Foto: Scopio

Perfide Methoden, um das Vertrauen der Betroffenen zu erlangen 

Beim Romance Scam nehmen Täter*innen eine Scheinpersönlichkeit an, die sie ganz auf die Bedürfnisse und die Kommunikation der Betroffenen abstimmen. Romance Scammer können hervorragend zuhören und erkennen schnell, was die Personen, die sie täuschen, am meisten brauchen. Betroffene glauben schnell, die große Liebe oder gar ihren Seelenverwandten gefunden zu haben.  

Von Romance Scam betroffene Personengruppen 

Laut Rohrsen von der Polizei Berlin sind besonders häufig Menschen im mittleren Alter, ab etwa 50 Jahren aufwärts, von der Betrugsmasche betroffen. Bestimmte soziale Gruppen lassen sich hier nicht ausmachen. Eine größere Rolle für die Auswahl aus Täter*innensicht spielt die Tatsache, dass Betroffene in der Lage zu sein scheinen, viel Geld zu zahlen. Betroffene sind aber deshalb nicht immer besonders vermögend. Es kommt auch vor, dass sie das Geld über Darlehen und Bankkredite von Familie und Freund*innen besorgen, um ihrer Internetbekanntschaft auszuhelfen.  

Oftmals befinden sich von Romance Scam betroffene Personen in schwierigen Lebenssituationen. In vielen Fällen verarbeiten sie Schicksalsschläge, etwa eine Scheidung, einen Todesfall oder eine schwere Krankheit. Das macht sie besonders verletzlich. Möglich ist auch, dass sie starke unerfüllte Bedürfnisse in bestimmten Lebensbereichen haben – genau das erkennen Täter*innen und nutzen es zu ihrem Vorteil aus. Sowohl Frauen als auch Männer sind betroffen. Romance Scammer suchen gezielt nach Menschen, die möglicherweise mit selbstempfundenen Schwächen, unangenehmen und schmerzlichen Gefühlen und Erfahrungen zu kämpfen haben. Wenn sich diese Menschen auch noch schlecht abgrenzen können, beziehungsweise schwer nein sagen können, ist es für Täter*innen umso leichter, sie  zu manipulieren.

Eine Hand, die eine Blume vor Bäume und Sonne hält.
Die neue Bekanntschaft ist immer da, hört zu und wird zu einer wichtigen Stütze im Leben der betroffenen Person. Foto: Scopio

Wie erkennst du einen Scam? 

Sandra Rohrsen von der Polizei in Berlin weiß, wie schwierig es für Betroffene ist, zurückzutreten und zu erkennen, dass es sich bei ihrer neuen Bekanntschaft um eine*n Betrüger*in handelt. Dass die Geschichte nicht wahr ist. Und all die Gefühle nur vorgegaukelt wurden. Damit es gar nicht erst so weit kommt, empfiehlt sie, sich mit Blick auf neue Bekanntschaften folgende kritische Fragen zu stellen: 

  • Erfolgte die Kontaktaufnahme im Internet unerwartet, unverfänglich, nett und zufällig?  
  • Schreibt der neue Kontakt auf Englisch oder auf Deutsch und sind hier vielleicht Hinweise auf einen fehlerhaften Übersetzungsdienst erkennbar?  
  • Zeigt der neue Kontakt früh hohes Interesse und stellt viele Fragen zu Interessen, Arbeit, Beziehungsstatus, Freund*innen und Familie? 
  • Gibt sich die neue Bekanntschaft seriös-attraktiv und gut situiert?  
  • Übt er oder sie einen Beruf aus, der „Eindruck schindet”? Zum Beispiel als hochrangiger Militär, Ärztin, Geschäftsmann oder Ingenieurin?  
  • Hält sich die Bekanntschaft überwiegend im Ausland auf und kann aus unterschiedlichen Gründen gerade nicht nach Deutschland kommen? 
  • Ist der neue Kontakt Single, frisch geschieden oder verwitwet und hat Kinder sehr gerne?  
  • Gibt es Pläne für ein gemeinsames Treffen, das immer wieder unvorhergesehen verschoben werden muss?  

10 Tipps zum Schutz vor Romance Scam 

Wir haben bei Sandra Rohrsen nachgefragt, was Betroffene und auch Menschen, die möglicherweise ins Visier von Betrüger*innen geraten, tun können, um sich zu schützen:

1. Überweise niemals Geld an Personen, die du nicht persönlich kennst!

Hinterfrage ihre Bitte kritisch und lasse dich von niemandem unter Druck setzen. Genauso wenig solltest du Konten im Auftrag von anderen Menschen eröffnen, die du noch nie getroffen hast. 

2. Sei vorsichtig mit deinen persönlichen Daten!

Muss die fremde Person im Netz unbedingt deinen vollständigen Namen, dein Geburtsdatum und deine Anschrift kennen? Gib niemals deine Ausweisdaten oder Informationen zu deinen Konten an Fremde!  

3. Teile niemals intime Fotos oder Videos mit anderen im Netz!

Diese könnten Täter*innen später dazu befähigen, dich zu erpressen. 

4. Schränke deine Profile auf Social-Media-Plattformen ein

Am besten schränkst du sie so ein, dass nur Freund*innen & Familie deine persönlichen Daten sehen können. Ansonsten läufst du Gefahr, dass Betrüger*innen auf einen Blick viel zu viel von dir wissen. Sie nutzen gerne Informationen zu deiner Familie, deinem Wohnort, Arbeitgeber oder deinen Hobbys, um dich direkt bei der Anbahnung um den Finger zu wickeln.

Ein Mann schaut besorgt auf sein Smartphone.
Nicht jede*r muss alles über dich im Netz mit wenigen Klicks finden. Foto: Scopio

5. Sei sensibel für die Möglichkeiten, die das Netz (leider) in Bezug auf Betrug bietet!

Nur weil deine Bekanntschaft dir Urkunden, Ausweise oder andere Dokumente online als ‚Beweis’ zuschickt, heißt das nicht, dass sie echt sind. Hinterfrage, ob du das überhaupt erkennen oder überprüfen kannst und sei kritisch mit Informationen, die dir vorliegen.  

6. Ändere Passwörter & Zugangsdaten

Wenn du erkannt hast, dass du von einem Betrugsfall betroffen bist, ist es ratsam, direkt alle Passwörter zu den Accounts zu ändern, die du für die Kommunikation genutzt hast. Blockiere die Täter*innen überall, wo du Kontakt zu ihnen hattest. 

7. Dokumentiere den Betrug

Sichere alles, was mit dem Betrugsfall zu tun hat – von Nachrichten auf Social-Media-Plattformen über E-Mails bis hin zu etwaigen Überweisungen, die du gegebenenfalls getätigt hast. Hier findest du Infos, wie du rechtssicher dokumentierst. 

8. Nimm Kontakt mit deiner Bank auf

Manchmal ist es noch möglich, Überweisungen zurückzuholen, wenn du sie getätigt hast. Rufe deine Bank an und informiere sie über den Betrugsfall! 

Eine Frau hält eine Kreditkarte in der Hand.
Vorsicht mit Überweisungen an Fremde! Foto: Scopio

9. Melde den Vorfall bei der Polizei

Wenn du durch den Betrugsfall bereits Geld verloren hast, kannst du gegebenenfalls eine Anzeige bei der Polizei erstatten. Melde dich bei der Dienststelle in deiner Nähe und schildere den Fall. So viel Beweismaterial wie möglich ist eine große Hilfe für die Beamten, um zu ermitteln.  

10. Sprich mit Angehörigen & anderen Betroffenen

Auf einen solchen Betrugsfall hereinzufallen und zu realisieren, dass die große Liebe nur auf Geld aus war, schmerzt und ist für Betroffene mit Scham behaftet. Dennoch tut es gut, mit anderen über den Vorfall zu sprechen, um ihn zu verarbeiten. Nimm dir Zeit, reflektiere, was dir passiert ist und suche Nähe zu Menschen, die dir guttun. 

Wir sind für dich da!

Du brauchst Unterstützung bei der Dokumentation von Beweisen oder suchst emotionalen Halt? In Fällen von Romance Scam steht dir unsere Beratung gerade mit Blick auf die emotionale Stabilisierung und die Dokumentation von Beweisen zur Seite.

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