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Cybermobbing am Arbeitsplatz: Wenn der Job zum Albtraum wird

Nach dem Tanz in den Mai (der dieses Jahr nur in sehr privatem Rahmen stattfinden kann) folgt am 1. Mai der Tag der Arbeit – in Deutschland ein Feiertag. Ursprünglich galt er als „Kampftag für Arbeitnehmer*innenrechte“, mittlerweile wird er aber als arbeitsfreier Tag oft ganz anders zelebriert. Mit Ausnahme vom letzten Jahr – und diesem. Pandemiebedingt werden die Feierlichkeiten ins Netz verlegt. Passend eigentlich, denn das Internet ist mittlerweile der Arbeitsplatz vieler Arbeitnehmer*innen und -geber*innen in Deutschland geworden. Doch das ist nicht nur Grund zum Feiern.

Im Februar 2021 arbeiteten einer Umfrage zufolge etwa 24 % der Deutschen im Homeoffice. Die Arbeitswelt wird zunehmend digitaler. Aufgaben, die man zuvor noch analog im Büro ausgeführt hat, finden nun häufig online statt. Und auch die Kommunikation hat sich ins Internet verlagert. Das bringt natürlich viele Vorteile mit sich – Videoanrufe können schnell getätigt werden, das Großraumbüro wird zum (möglicherweise leiseren) Arbeitszimmer und auch der Arbeitsweg ist bedeutend kürzer. Aber es bringt auch Nachteile, ja sogar Gefahren, mit sich: Cybermobbing am Arbeitsplatz kann durch die zunehmende Digitalisierung des Arbeitsumfeldes zur Belastung für viele Arbeitnehmer*innen werden. 

Studie zu Cybermobbing am Arbeitsplatz 

Schon vor der Pandemie war Cybermobbing keine Problematik, die ausschließlich Jugendliche und Schüler*innen betraf. Das Bündnis gegen Cybermobbing führte 2014 eine Studie durch, die darlegte, dass fast 30 % der Befragten schon einmal von Mobbing oder Cybermobbing betroffen waren. Mehr als jede zweite Attacke ereignete sich dabei am Arbeitsplatz.  

Uwe Leest vom Bündnis gegen Cybermobbing sagt, dass Mobbing und Cybermobbing dabei oft miteinander einhergehen. Attacken und Ausgrenzung am Arbeitsplatz, die in der analogen Welt stattfinden, werden oft um digitale Anfeindungen ergänzt. Besonders heftig: Laut der Studie sind Vorgesetze in über der Hälfte der (Cyber-)Mobbingfälle als Täter*innen oder Mittäter*innen beteiligt! 

Was genau ist Cybermobbing? 

Neid, ein möglicher Konkurrenzkampf oder starre, festgefahrene Hierarchien führen in vielen Fällen zu Cybermobbing am Arbeitsplatz. Cybermobbing hat dabei – ebenso wie jede Form von digitaler Gewalt – verschiedene Gesichter. Man kann sagen, dass Cybermobbing in der Regel gezielte, systematische und langanhaltende Angriffe sind, die sich in einem ungleichen Machtgefälle von einem*einer oder mehreren Täter*innen ausgehend gegen eine Person richten. Dieses ungleiche Machtgefälle kann bedeuten, dass sich das Mobbing von Vorgesetzten gegen Mitarbeiter*innen richtet. Oder auch von Gruppen gegen Einzelpersonen.

Beim Cybermobbing werden häufig Beleidigungen, Bedrohungen, Lügen oder private Bilder des*der Betroffenen über Social-Media-Plattformen oder firmeninterne Foren verbreitet. Die Täter*innen verstecken sich dabei oft hinter anonymen Decknamen – bei Cybermobbing am Arbeitsplatz handelt es sich allerdings in den meisten Fällen um Kolleg*innen oder Vorgesetzte, die hinter den Attacken stecken.  

Die Konsequenzen für Betroffene sind gravierend: Fast die Hälfte der Betroffenen klagt über Depressionen. Auch körperlich sind Arbeitnehmer*innen öfter krank, wenn sie von Cybermobbing am Arbeitsplatz betroffen sind. Viele möchten die Abteilung oder direkt den Job wechseln.

Was kann man gegen Cybermobbing am Arbeitsplatz tun? 

Cybermobbing am Arbeitsplatz ist für die Betroffenen besonders belastend: Durch die Attacken, die sich von der analogen in die digitale Welt verlagert haben, kann der*die Betroffene auch Zuhause und nach Feierabend oft nicht abschalten. Das Internet macht keinen Feierabend – die Anfeindungen sind oft omnipräsent.  

Bislang wird Cybermobbing am Arbeitsplatz nicht genug nachgegangen: Nur in den wenigsten Unternehmen gibt es Präventionsmaßnahmen und dadurch, dass häufig Vorgesetzte als (Mit-)Täter*innen involviert sind, ist ein für Betroffene sicheres Beschwerde-Management oft auch nicht gegeben. 

Trotzdem ist ganz wichtig: Gegen Cybermobbing am Arbeitsplatz kannst und musst du dich zur Wehr setzen! Wenn du keine Möglichkeit hast, bei deinem*deiner Chef*in Hilfe zu suchen, dann wende dich an Beratungsstellen wie HateAid. Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt und Straftaten im Netz können genauso geahndet werden wie in der analogen Welt! Auch wenn du Mobbing beobachtest, solltest du handeln: Gehe auf die betroffene Person zu und frage sie, wie du ihr helfen kannst.

Du brauchst Hilfe? 

Dann wende dich gerne an uns. Du erreichst uns über unser Meldeformular und wir stehen dir mit Rat und Tat und, in geeigneten Fällen, unserer Prozesskostenfinanzierung zur Seite.  

Wenn du uns selbst dabei unterstützen möchtest, den Betroffenen von digitaler Gewalt zur Seite zu stehen, dann kannst du das in Form einer kleinen Spende machen. Wir freuen uns über deine Hilfe! Hier geht es zu unserem Spendenformular

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