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Mit welchen weiteren Strategien bewältigt man den Angriff?

Rekapitulieren wir die wichtigen Marker, die Sie erlebt haben. Ein Angriff im Netz hat auf Sie und Ihre Umwelt stattgefunden. Wahrscheinlich waren Sie erst geschockt. Sie haben sich mit der Frage auseinandergesetzt, inwiefern Sie Verantwortung tragen. In der Entmenschlichung des Angriffs steckte die Gefahr der Isolation. Sie haben in Ihrem persönlichen Umfeld Hilfe gefunden. Sie haben wahrgenommen, was mit Ihnen geschieht, ohne Ihr Verhalten zu bewerten. Sie haben eine Weile getan, was Ihnen gut tut. Alles, um sich wieder als Subjekt zu fühlen und Ihren Selbstwert zu spüren. Sie haben gemerkt, dass Sie Entscheidungen treffen können.

Es gibt weitere Strategien, den Angriff in Ihr Leben zu integrieren. Wenn ein Mensch eine traumatisierende Attacke erlebt hat, gibt es in der Traumatherapie beispielsweise den sicheren inneren Ort. „Ein Ort, den man sich selber schaffen kann“, erklärt die Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Bettina Moll.  „An den man mit der Kraft seiner Gefühle und Gedanken zurückgehen kann, um sich zu beruhigen und in Stressmomenten in Sicherheit zu befinden.“ Solch ein Vorgehen sollte man allerdings nur mit professionellem psychologischen Beistand erlernen.

Ein anderes Konzept ist die radikale Akzeptanz. Indem gelernt wird, unangenehme Ereignisse und Gefühle so zu nehmen wie sie sind, bietet das Konzept der radikalen Akzeptanz auch einen Ausweg und Veränderung. Der Mensch ist nicht direkt dafür gemacht, zu akzeptieren. Unser Gehirn giert nach Erfüllung. Und tut alles, um Unangenehmes zu vermeiden. Schon Anna Freud erforschte diese Tricks und schrieb darüber 1936 in ihrem Buch Das Ich und die Abwehrmechanismen. Am bekanntesten ist wohl die Verdrängung: Erfassen uns Schuld oder Scham zu stark, um sie zu ertragen, schieben wir sie so tief in unser Unbewusstes, dass wir sie nur noch erahnen können, bis sie wieder hochkommen und uns dazu bringen, etwas zu tun, was wir nicht verstehen.  Angriffe, Ausgrenzung, Erniedrigung. Diese Phänomene sind nicht neu und gibt es seit Menschengedenken. Das zu akzeptieren und innere Distanz zum Geschehen zu entwickeln, ist Teil dieses Konzeptes.

Des Weiteren ist Humor ein guter Abwehrmechanismus. Klar, man kann zu einer Person, die einen Hate Storm erlebt hat, nicht sagen: „Lach doch mal!“ Aber ein humorvoller Umgang hilft dabei, Abstand zu dem Geschehenen zu entwickeln und auf besondere Weise mit dem Hass umzugehen.

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