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Welche Gegenstrategie wähle ich?

Hass im Netz zu bekämpfen, ist oft individuelles, manchmal sogar ein politisches Unterfangen. Manche Betroffene haben das Bedürfnis – und auch den öffentlichen Einfluss – sich stärker zur Wehr zu setzen. Und das aus gutem Grund. Manchmal kann es allerdings zielführender sein, die Kommunikation komplett herunterzufahren. Wichtig dabei: Habe stets deine Freunde, deinen Arbeitgeber und Menschen im Blick, die dir wichtig sind.

Ein klassisches Druckmittel innerhalb eines Hate Storm sind Lügen und Framings, die sich um deine Person herum entladen werden. Um dich herum wird eine Geschichte konstruiert, die der Projektion von Hass Vorschub leistet. In deinem Sinne sollte sich ein Teil deiner Kommunikation während eines Angriffs daran ausrichten, dass du dich und deine Beziehungen schützt. Deine persönliche Sicherheit und deine psychologische Unversehrtheit gehen vor. Wenn du in die Offensive gehst, rechne damit, dass du die Kontrolle über den Diskurs verlieren kannst.

Jeder Hate-Storm ist unterschiedlich. Jeder Mensch hat unterschiedliche Wege damit umzugehen. Die nachfolgenden Gegenstrategien sind exemplarisch zu verstehen. Meist erfolgen sie in Kombination miteinander und über verschiedene Medien hinweg.

Einfach ignorieren. „Don’t feed the trolls”, ist nach wie vor eine bewährte Methode mit Hass umzugehen. Je nach Thema wird durch Schweigen den Angreifern der Wind aus den Segeln genommen. Sie bekommen von dir keine Aufmerksamkeit, um die es in vielen Fällen geht. Der Nachteil besteht darin, dass somit nur die Lautstärke und Aggressivität von Stimmen gehört werden und kein Austausch stattfindet. Sympathisanten, Minderheiten und marginalisierte Gruppen werden nicht zu einer Teilnahme angestiftet.

Gegenrede eröffnen. „Counter Speech“, auf Deutsch „Gegenrede“, erzeugt Solidarität bei weiteren Opfern von Hassattacken und motiviert stille Mitleserinnen und Mitleser dazu, sich in die Debatte einzubringen. Problematische Aussagen werden offensiv kommentiert, Falschaussagen durch Quellen entlarvt (Debunking). Besonders wirkungsvoll ist diese Strategie, wenn du verbündete oder befreundete Fürsprecherinnen und Fürsprecher in die Debatte integrierst. Allerdings kann die Vehemenz deiner Argumentation dazu führen, dass die Angreifer weiter angestachelt werden.

Richtigstellung: Verliere dich nicht im Klein-Klein einzelner Hasskommentare, sondern setze besser ein globales Statement ab, dass alle Punkte deiner Argumentation aufgreift. Das Statement können deine Freunde, dein Arbeitgeber, deine Familie und Mitstreiter mit einem Vorschuss an Sympathie lesen. Wohlwollende Meinungen können sich auf dieses Statement mit Kommentaren konzentrieren, Journalisten können dich prägnant und in einem argumentativen Zusammenhang in ihrer Berichterstattung zitieren. Es hinterlässt bei dir auch das genugtuende Gefühl der Richtigstellung, falls du danach eine Weile den Stecker ziehen willst.

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