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Eine Frau hat ihren Laptop auf dem Schoß und setzt mir einer Katze auf dem Sofa.

Hassrede im Netz kontern: So geht Counterspeech 

Stell dir vor, du postet ein Urlaubsfoto mit deinen Freund*innen und plötzlich sammeln sich darunter beleidigende, rassistische Kommentare. Im ersten Moment bist du geschockt von dem Hass, der dir entgegenschlägt und weißt gar nicht, was du tun sollst. Deine Freund*innen, die auf dem Bild getaggt sind, haben die Situation aber schon erkannt und springen dir zur Seite. Sie erwidern die Kommentare und bleiben dabei immer auf Augenhöhe. Sie zeigen mit jedem Wort, dass ihr zusammensteht und als Gruppe stärker seid als der Hass. 

Gegenrede oder Counterspeech kann in vielen Fällen eine gute Möglichkeit sein, um auf Hass im Netz zu reagieren. Hier gehen Betroffene und ihre Verbündeten auf die Hassnachrichten ein, statt sie zu melden oder zu ignorieren. Abwertende Kommentare, Falschaussagen, Beleidigungen oder Drohungen bleiben so nicht unwidersprochen im Netz stehen. Sie werden gezielt mit guten Argumenten entkräftet. Und gleichzeitig zeigen sich alle, die Counterspeech betreiben, solidarisch mit der angegriffenen Person.  

Mit Counterspeech gemeinsam gegen den Hass im Netz 

Hater*innen merken durch die Gegenrede im besten Fall, wie daneben ihr Kommentar war. Und Betroffene oder mitlesende Personen sehen, dass die Aussagen weder allgemeingültig noch repräsentativ sind. Gemeinsam seid ihr eben doch stärker und könnt größeren Gruppen von Hater*innen selbstbewusst entgegentreten.  

Wenn du beobachtest, dass andere im Netz angegriffen werden und ihnen mit Gegenrede zur Seite stehen möchtest, haben wir Tipps für dich.

1. Erwidere den Kommentar positiv und empathisch 

Ganz nach dem Motto „Hass ist krass, Liebe ist krasser“ ist es immer eine gute Idee, in einem positiven Ton zu reagieren und positive Stimmung zu verbreiten. Gehe zum Beispiel auf die betroffene Person ein und sprich ihr ein Kompliment aus. 

Stay Positive mit Scrabble-Steinen auf grünem Grund gelegt.
Positiv bleiben und bei der Gegenrede auf Empathie setzen. Foto: Pexels / Tima Mirshnichenko

2. Zweifel die Aussage an und widerlege sie mit Fakten 

Manchmal bedarf es nur einer Suchanfrage, um herauszufinden, dass gepostete Behauptungen nicht wahr sind. Oftmals verbreiten Hater*innen angebliches Wissen per Copy & Paste und prüfen ihre Aussagen gar nicht auf ihre Richtigkeit. Es lohnt sich daher, einfach mal um eine Quellenangabe zu bitten oder zu fragen, auf welchen Fakten ihre Aussage basiert. Ein schneller Faktencheck, mit dem ihr Widersprüche aufdeckt und die Aussage entkräftet, lohnt sich immer! 

3. Reagiere mit Humor oder Ironie 

Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte. Ein gutes Meme kann in bestimmten Situationen die perfekte Antwort auf einen rücksichtlosen, hasserfüllten Kommentar sein. Der Vorteil: Während du die Absurdität bestimmter Aussagen verbildlichst, sorgst du bei Betroffenen und Mitlesenden vielleicht sogar für ein kleines Schmunzeln. 

4. Hole Hetzer*innen in die Realität zurück 

Appelliere an moralische Grundsätze und versuche Verfasser*innen von Hasskommentaren daran zu erinnern, dass hinter jedem Bildschirm ein echter Mensch sitzt, der Gefühle hat und persönlich von Hass und Hetze getroffen wird. Außerdem kannst du Hetzer*innen darauf hinweisen, dass Kommentare auch rechtliche Konsequenzen für sie haben können. 

Zwei Frauen schauen gemeinsam auf ein rosafarbenes Smartphone.
Erinnere Hater*innen daran, dass sie mit jedem Kommentar einen Menschen hinter dem Bildschirm angreifen und verletzen. Foto: Pexels / Tim Douglas

5. Weise auf die Problematik der Aussagen hin 

Nenne Diskriminierung, Misogynie (Frauenfeindlichkeit), Homophobie (Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit) und Rassismus beim Namen, wenn du derartige Kommentare oder Aussagen siehst. Mach Verfasser*innen und mitlesenden Personen klar, dass Hatespeech hier keinen Platz hat und keine legitime Meinung ist. 

Wäge für dich ab, ob Counterspeech in Frage kommt  

Zivilcourage geht auch immer mit einem gewissen Risiko einher – sowohl im analogen als auch im digitalen Leben. Deshalb ist es wichtig, dass du dich selbst bestmöglich schützt. Durch sichere Privatsphäreeinstellungen, adäquate Passwörter und Wissen zum richtigen Umgang mit digitaler Gewalt. In unserem Ratgeber findest du dazu einige wertvolle Tipps. 

Mach dir außerdem bewusst, dass Situationen und Personen ganz verschieden sein können und es keine Blaupause für die perfekte Gegenrede gibt. Lass dich zum Beispiel nicht auf einen Schlagabtausch mit Internet-Trollen ein. Versuche nicht, Menschen durch einen Faktencheck umzustimmen, die augenscheinlich ein gefestigtes Weltbild haben, von dem sie nicht abrücken wollen. Manchmal ist das Blockieren oder Melden von Hasskommentaren schlicht doch die geeignete Maßnahme. 

Setze Counterspeech richtig ein

Überlege dir auch, welche Art von Counterspeech in der bestimmten Situation angemessen ist. Durch ironische Kommentare als Antwort auf abwertende Kommentare können sich beispielsweise Fronten verhärten und der Dialog wird blockiert. In anderen Fällen wollen Nutzer*innen einfach nur ihren Hass verbreiten und schießen gegen alle, die sich ihnen in den Weg stellen. Dann lass dich lieber nicht in die Ecke drängen und rechtfertige dich nicht. 

Laut Forscher*innen der Technischen Hochschule Zürich haben übrigens User*innen, die bei Gegenrede auf Empathie setzen, die besten Chancen, ihr Ziel zu erreichen. Ihrer Studie zufolge schrieben Hater*innen auf Twitter nach empathischen Counterspeech-Aktionen weniger Hass-Tweets und einige löschten alte Hasskommentare danach sogar von der Plattform. 

Wenn du selbst von Hass im Netz betroffen bist oder bemerkst, dass andere Menschen angegriffen werden, wende dich jederzeit an unsere Betroffenenberatung. Unsere Berater*innen stehen dir zur Seite, wägen gemeinsam mit dir ab, ob Gegenrede in Frage kommt und unterstützen dich in geeigneten Fällen dabei, auch rechtlich gegen Hass vorzugehen.  

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