Alle

Wie knüpfe ich mir ein erstes Sicherheitsnetz?

In den ersten Stunden eines digitalen Angriffs auf Ihre Person werden Sie um Verständnis ringen. Was passiert gerade? Wieso passiert das gerade mir? Je nachdem, wie verletzlich Sie als Person sind und was für Vorerfahrungen Sie gesammelt haben, werden Sie eine Mischung aus Gefühlen spüren: Ungerechtigkeit, Ohnmacht, Demütigung, den sofortigen Impuls, etwas richtig stellen zu wollen, sich zu wehren oder Gehör zu finden.

Wie Sie unmittelbar auf einen Angriff reagieren, ob Sie antworten wollen oder nicht, ist von Person zu Person verschieden. Machen sie sich noch einmal bewusst, dass Angreifer*innen in einem Hate Storm sich nicht durch Argumente überzeugen lassen wollen. Sie sind in ihren Augen jemand, der für etwas steht. Jemand, an dem man ein Exempel statuiert.

Bevor Sie an die Verarbeitung und Bewältigung des Angriffs gehen – sie ist sehr wichtig – versuchen Sie als erstes Ihre persönlichen Schutzschirme hochzufahren und sich ein Umfeld zu schaffen, in dem Durchatmen möglich ist. Wie das aussieht, können nur Sie definieren. Ruhe oder aktive Gegenstrategie? Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, auf Hass im Internet zu reagieren.

Wenn Sie das Bedürfnis nach Sicherheit verspüren und nicht als öffentliche Person eine Funktion ausüben müssen, dann stellen Sie Ihre Profile in den sozialen Medien auf privat und änderen nacheinander Ihre Passwörter. So schaffen Sie sich Raum und sichern sich selbst gegen Hackversuche ab – auch das ist während eines Hate Storms schon vorgekommen.

Wir würden Ihnen dazu raten, Hasskommentare auch schon in einem frühen Stadium zu dokumentieren. Erstellen Sie dazu Screenshots, (hier wird gezeigt, wie es geht), fotografieren Sie Beweismaterial und archivieren Sie Links, um später rechtliche Schritte einleiten zu können oder – falls das Ihre Strategie ist – Beweismaterial für Journalist*innen zu sammeln.

Holen Sie sich vor allem Menschen hinzu, die Ihnen dabei helfen, wieder als Person wahrgenommen zu werden. Das können gute Freund*innen, Familie oder Kolleg*innen sein, die dabei unterstützen, den Hass einzuschätzen und gegebenenfalls Content, der gegen Sie gerichtet ist, für Sie zu lesen und das Gefahrenpotenzial einzuschätzen. Nutzen sie Ihren inneren Zirkel, um die Analyse des Falls zu teilen und Gegenstrategien zu entwerfen.

Ihr Umfeld kann auch dabei helfen, Ihre eigenen Gefühle zu ordnen und Angst oder Wut auszudrücken. Ein Hate Storm ist eine psychologische Grenzerfahrung, die viele Menschen zum ersten Mal machen und selbst lernen müssen, wie sie damit umgehen. Diese Situation mit Freund*innen zu erleben bedeutet, gemeinsam mit diesen bessere Entscheidungen treffen zu können.

Ihr Umfeld kann in den kommenden Stunden und darüber hinaus auch ein wachsames Auge auf die Entwicklung haben und Sie sofort darüber informieren, wenn bedrohliche Inhalte auftauchen (wie etwa körperliche Androhungen oder Veröffentlichungen von Wohnort oder Adresse). Lassen Sie sie auch Beweise weiterer Beleidigungen, Drohungen, etc. aufzeichnen, um Ihnen weitere Möglichkeiten des Handelns offen zu lassen.

Weitere Themen

aus dem Bereich Q & A