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How to become an Ally: Die goldenen Regeln des Allyship

Solidarität ist einer der wichtigsten Bausteine einer demokratischen Gesellschaft. Sie bedeutet mitfühlen und sich für andere stark machen – auch ohne eigene Betroffenheit. Solidarität zeigen ist das, was Privilegierte für andere Menschen tun können, indem sie ihre Privilegien richtig einsetzen: Sie können z. B. auf Themen aufmerksam machen, die nicht alle Mitbürger*innen betreffen.  Eine Form von Allyship.

Auch nach der rassistisch-motivierten Ermordung von neun Menschen in Hanau und dem Angriff auf eine Synagoge in Halle wurde Solidarität mit den Hinterbliebenen eingefordert. In der Öffentlichkeit wurden die Taten, genauso wie auch die NSU-Morde und die Brandanschläge in Solingen und Mölln als Einzelfälle bezeichnet. Aber es handelt sich nicht um Einzelfälle, wenn gezielt Menschen unserer Gesellschaft wegen ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe angegriffen werden.  

BIPoC (Black Indigenious People of Color, also alle Menschen, die nicht „weiß“ sind oder sich nicht als „weiß“ bezeichnen) sind immer häufiger betroffen von Rassismus und Rechtsextremismus. Das geht alle Menschen gleichermaßen etwas an und wir müssen alle etwas gegen diese Ungerechtigkeit unternehmen. Neben Aufklärung, Strafverfolgung und Prävention braucht es für die Betroffenen eben auch Solidarität. Und zwar nicht nur als Aufforderung nach schlimmen Taten, sondern dauerhaft. Wie? Indem Nicht-Betroffene versuchen, gute Allies – also Verbündete – von Betroffenen zu sein. Wir haben einige Ratschläge zusammengestellt, die dabei helfen, die eigene Position zu reflektieren und ein guter Ally für alle von Rassismus und Rechtsextremismus Betroffenen zu werden: 

1. Prüfe deine Privilegien. 

Privilegien sind Vorteile innerhalb einer Gesellschaft, die in fast allen Fällen nicht durch die eigene Leistung erlangt wurden, sondern von Geburt an gegeben sind. Durch das „White Privilege“ werden etwa weiße Menschen unbegründet besser behandelt als BIPoC. Für gute Allies ist es wichtig, zu erkennen, dass sie Privilegien besitzen und deshalb in vielen Fällen eine einfachere Ausgangsposition haben als Nicht-Privilegierte. Ein Beispiel:  

Aus dem Jahresbericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes geht hervor, dass jede dritte Person mit Migrationshintergrund schon einmal Diskriminierung bei der Wohnungssuche erlebt hat. Bewerber*innen mit einem deutschen Nachnamen oder einer deutsch gelesen Optik – also beispielsweise stereotypisch blonde und blauäugige Personen mit heller Haut – werden bevorzugt behandelt. Rassistische Vorurteile, die tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind, sind auch der Grund, weshalb BIPoC oft schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Ebenfalls beim Feierngehen sind es oft BIPoC, die nicht in den Club gelassen werden. Eine direkte Begründung gibt es von Seiten des*der Türsteher*in nur selten. All das sind Erfahrungen und Begegnungen, die ein Gefühl der Ausgrenzung mit sich bringen.  

Viele BIPoC werden bereits in ihrer Schulzeit anders behandelt als ihre weißen Mitschüler*innen. Mehrere Studien belegen dabei, dass Kinder mit einem vermeintlichen Migrationshintergrund schlechter benotet werden und trotz guter Noten keine Gymnasialempfehlung bekommen. Überspitzt gesagt: Diese Kinder werden unfair behandelt, weil sie nicht Max, sondern Murat heißen.  

Unter #MeTwo haben 2018 viele BIPoC ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus geteilt. Gute Allies sollten sich über die Erfahrungen der BIPoC informieren, um im eigenen Alltag schneller zu erkennen, wenn jemand aufgrund der Hautfarbe, des (vermeintlichen) Migrationshintergrundes oder der Religion diskriminiert und unfair behandelt wird. 

2. Erkenne Alltagsrassismus und reagiere. 

Alltagsrassismus ist die Form von Rassismus, bei der BIPoC weniger offen beleidigt oder angegriffen werden, sondern unterschwellig anders als ihre weißen Mitmenschen behandelt werden. Eine Beispielsituation in einer Bar zu Nicht-Corona-Zeiten:  

Amina, schwarze Haare und dunkle Haut, lernt Sebastian, blond und helle Haut, kennen. Beide kommen aus Berlin und studieren BWL, haben sich aber noch nie zuvor gesehen. Sebastian fragt Amina neugierig: „Wo kommst du her?“. „Aus Berlin.“, antwortet sie. „Nein, woher genau?“. „Aus Steglitz, aber mittweile wohne ich in Kreuzberg“, sagt Amina daraufhin. Sebastian lacht und schüttelt den Kopf: „Okay. Aber wo kommst du eigentlich her?“. „Ich bin in Berlin geboren …“, antwortet Amina. „Du bist Deutsche? Du siehst gar nicht so aus!“.  

Eine typische Form von Alltagsrassismus. Sebastian ist wahrscheinlich ein aufgeschlossener, netter Mensch, der Amina nichts Böses will. Aber darauf zu beharren zu erfahren, woher sie kommt, ihre Antworten zu hinterfragen, gar anzuzweifeln und zu sagen, sie sähe nicht deutsch aus, zeigt Amina vor allem eines: Sie ist in seinen Augen „anders“. Nicht Teil der „normalen“ Gesellschaft. Ihr wird suggeriert, dass sie aufgrund ihres Aussehens nicht deutsch sein kann, egal ob sie hier geboren ist oder nicht. Eine vermeintlich harmlose Frage ist in dieser Situation für BIPoC verletzend und ausgrenzend.  

Wer als weiße*r Deutsche*r diese Situation miterlebt, kann sich als Ally einmischen und darauf hinweisen, dass diese Frage missverständlich und deplatziert ist. Ganz wichtig ist es, solidarisch und empathisch zu sein. Niemand sollte sich in seinem*ihrem Heimat- und/oder Wahlland für das eigene Aussehen rechtfertigen müssen. 

3. Höre den Betroffenen zu und glaube ihnen.  

Wenn dir als Ally von einer Situation erzählt wird, in der ein*e BIPoC eine Erfahrung mit Alltagsrassismus machen musste, ist es wichtig, dem*der Betroffenen zunächst zuzuhören. Dadurch, dass du selbst nicht betroffen bist, kannst du dir die Situation möglicherweise schlecht vorstellen. Du solltest den Betroffenen aber glauben, ohne ihren Bericht zu hinterfragen.  

Wenn Betroffene öffentlich von Erfahrungen mit Rassismus berichten, ist besonders in sozialen Medien leider häufig das Gegenteil zu beobachten: Personen äußern in ihren Kommentaren Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Geschichte oder, noch viel schlimmer, behaupten, die Betroffenen wollen nur „das Opfer spielen“. Kommentare dieser Art sind zutiefst verletzend. Eine solche Erfahrung zu schildern, erfordert viel Kraft und Mut – gleichzeitig macht es die Betroffenen verletzbar und angreifbar.  

Gerade aus diesem Grund ist es wichtig, ihnen Raum zu geben, um ihre Erfahrungen zu teilen, wenn sie das denn möchten.  

4. Lasse Betroffenen genug Raum. 

Je mehr du dich mit Allyship, also dem Verbünden mit Betroffenen, beschäftigst, desto mehr willst du bestimmt auch einschreiten und selbst aktiv werden. Es ist allerdings wichtig, dass die Rolle der Allies eine unterstützende ist, ohne den Betroffenen die Bühne zu nehmen.  

Ein wichtiges Stichwort ist hier Tone Policing. Tone Policing bedeutet, dass Personen vorgegeben wird, wann sie über ein bestimmtes Thema sprechen sollen, wie sie das Thema ansprechen sollen oder auch, wann es genug ist. Wann und ob eine betroffene Person über ihre Rassismuserfahrungen sprechen möchte, sollten Allies nicht beeinflussen. Allies sollten auch Geschichten anderer nicht in deren Namen erzählen – es sei denn, sie werden explizit darum gebeten. 

Sollte sich jemand aus dem eigenen Umfeld rassistisch äußern oder verhalten, ist es wiederum wichtig, einzuschreiten. Rassistisch handeln können alle – leider ist niemand davor gefeilt. Deshalb sollten Allies den Betroffenen ihre Erfahrungen auch nicht absprechen, selbst, wenn sie den*die Täter*innen kennen und diese nicht als rassistische Menschen einstufen würden. An dieser Stelle kann ein aufklärendes Gespräch helfen. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt: Es darf nicht zu einer Opfer-Täter*innen-Umkehr kommen, wo der*die Täter*in plötzlich das Opfer ist, da ihm*ihr rassistisches Handeln vorgeworfen wird.  

5. Bilde dich weiter und informiere dich

Viele BIPoC sind dazu bereit, weißen Deutschen in ihrer Rolle als Allies Fragen zu Rassismus und eigenen Rassismuserfahrungen zu beantworten. Allies sollten allerdings nicht davon ausgehen, dass jede betroffene Person mit ihnen darüber sprechen möchte. Viele der Geschichten sind mit schmerzhaften Erfahrungen verknüpft, die traumatische Erinnerungen wachrufen könnten.  

Es gibt jedoch noch viele weitere Wege, sich zu informieren und weiterzubilden. Filme, Serien und Bücher von und mit BIPoC sind eine gute Möglichkeit, mehr über die Erfahrungen Betroffener zu lernen. Wir haben hier eine Liste mit Literaturempfehlungen von BIPoC zusammengestellt: 

  • Alice Hasters: Was weiße Deutsche nicht über Rassismus hören möchten – aber wissen sollten 
  • Tupoka Ogette: exit RACISM: rassismuskritisch denken lernen 
  • Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah (Hrsg): Eure Heimat ist unser Albtraum 
  • Noah Sow: Deutschland Schwarz Weiß – Der alltägliche Rassismus 
  • Ferda Ataman: Ich bin von hier. Hört auf zu fragen! 

6. Unterstütze und fördere BIPoC

Mithilfe der hier gesammelten Tipps kannst auch du Ally werden und BIPoC aktiv zur Seite stehen. Es ist toll, dass du dich mit deinen Mitmenschen solidarisierst! Wenn du BIPoC auch in anderen Bereichen unterstützen möchtest, geht das ganz leicht: Indem du ihre Bücher liest, ihre Filme siehst, ihre Produkte konsumierst und ihre Artikel kaufst, förderst du sie gleichermaßen.  

Allies können außerdem ihre Organisationen unterstützen, ihnen Raum in den Medien geben und an ihren Demos teilnehmen – immer, solange sie BIPoC nicht die Bühne nehmen (siehe Punkt 4).  

Ein letzter Hinweis: Solltest du selbst von rassistischen Angriffen im Netz betroffen sein oder aufgrund deines Allyships angegriffen werden und Unterstützung brauchen, wende dich gerne an uns! 

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