Hasskommentare und digitale Gewalt melden, aber richtig: so gehst du vor
Hass im Netz ist allgegenwärtig. Doch du kannst dich wehren und digitale Gewalt auf Social Media melden. Wo du die Meldefunktion der einzelnen Plattformen findest und worauf es sonst noch ankommt, erklären wir in diesem Artikel.
Der Meldeprozess auf den Plattformen
Jede soziale Plattform muss laut Artikel 16 des Digital Services Act ein Melde- und Abhilfeverfahren (auch „Notice and Action” genannt) für rechtswidrige Inhalte bereitstellen.
Das EU-Gesetz sieht vor, dass diese Meldeverfahren leicht zugänglich und benutzerfreundlich sein sollen. Unsere DSA-Bilanz zeichnet jedoch ein anderes Bild: Plattformen kommen ihren Pflichten nicht immer nach. Illegale Inhalte bleiben oft stehen und Meldewege sind unzugänglich und abschreckend gestaltet. Deshalb helfen wir dir den Überblick zu behalten.
Wo finde ich die Meldefunktion auf Social Media?
Je nachdem ob du ein Profil, einen Kommentar oder einen ganzen Post melden möchtest, gibt es unterschiedliche Meldewege. Die folgenden Schritte gelten im Grunde für alle gängigen Netzwerke wie Instagram, Facebook, TikTok oder BlueSky.
So meldest du einen Kommentar
Einen Kommentar kannst du bei den meisten Social-Media-Plattformen direkt beim Kommentar melden.
- Oft bieten die Plattformen über einen Button mit drei aufeinanderfolgen Punkten in waagrechter (⋯) oder senkrechter (⁝) Darstellung mehr Optionen zum Kommentar.
- Auf dem Smartphone reicht es meist, den Kommentar länger gedrückt zu halten.
- Wähle im Auswahlmenü die Option, die das Wort „Melden” enthält.
Hier ein Beispiel, wie das Melden eines Kommentars auf Instagram aussehen könnte:

So meldest du ein Profil
Du bist auf ein Profil gestoßen, das potenziell rechtswidrige Inhalte enthält oder gegen die Community Guidelines (AGB) der Plattform verstößt? Die Herangehensweise ist ähnlich wie bei einem Kommentar:
- Klicke auf das Profil.
- Suche in der Nähe des Profilnamens nach dem Button mit den drei Punkten in waagrechter (⋯) oder senkrechter (⁝) Darstellung.
- Tippe oder klicke diese an und suche nach der Option, die das Wort „Melden” enthält.
Hier ein Beispiel für die Meldung eines TikTok-Profils:

So meldest du einen Post oder Beitrag
Ein Beitrag enthält deiner Ansicht nach digitale Gewalt? Auch hier kannst du die Plattform informieren:
- Halte beim betroffenen Beitrag oder Posting Ausschau nach den drei aufeinanderfolgenden Punkten in waagrechter (⋯) oder senkrechter (⁝) Darstellung.
- Klicke diese an und wähle im Optionsmenü den Bereich aus, der das Wort „Melden” enthält.
Hier ein Beispiel für die Meldung eines Facebook-Beitrags:

Worauf du unbedingt achten solltest
Damit deine Meldung auch Wirkung zeigt, ist es wichtig, die passendste Option im Meldeverfahren auszuwählen.
AGB-Verstoß vs. DSA-Verstoß
Viele der vorgefertigten Meldegründe stellen nur einen Verstoß gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der jeweiligen Plattform dar. Hier bekommst du oft nicht einmal Bescheid, was mit deiner Meldung passiert ist.
Bessere Chancen auf Löschung hast du, wenn du mit der Meldung klarmachst, dass der Inhalt gegen den Digital Services Act verstößt.
- Bei z. B. Beleidigungen, Drohungen, Billigung von Straftaten, Gewaltdarstellungen und übler Nachrede wählst du „als rechtwidrig melden” aus.
- Anschließend wählst du aus, wogegen der Inhalt genau verstößt. Lass dich hier nicht von den ganzen Paragrafen verunsichern und wähle einfach das für dich Treffendste aus. Du kannst auf den meisten Social Media Plattformen auch mehrere Meldegründe gleichzeitig angeben.
Zu schnelles Löschen unterbricht die Beweiskette
Wenn du digitale Gewalt erlebst, ist der erste Impuls oft: löschen! Verständlich, aber das kann ein Fehler sein. Denn wenn du Hasskommentare und digitale Gewalt sofort löschst, beseitigst du gleichzeitig den wichtigsten Beweis.
Möchtest du dir die Möglichkeit einer Strafanzeige offen halten, solltest du unbedingt rechtssichere Screenshots vom Hasskommentar, Profil oder Beitrag erstellen. Nur so kannst du später eindeutig beweisen, was vorgefallen ist.
Was tun, wenn die Plattform sich weigert?
Du hast Hass im Internet gemeldet, aber die Plattform hat deine Meldung abgelehnt? Dann bist du noch nicht am Ende deiner Möglichkeiten. Außergerichtliche Streitbeilegungsstellen & Trusted Flagger helfen dir!
Du kannst dich mit deinem Fall an eine zertifizierte, außergerichtliche Streitbeilegungsstelle wie User Rights oder das Appeals Centre wenden.
Auch Trusted Flagger wie z. B. HateAid können für dich einen entsprechenden Antrag stellen. Bei uns findest du Hilfe. Aber Achtung: Trusted Flagger haben lediglich einen privilegierten Meldeweg, der ermöglicht, dass Meldungen schneller bearbeitet werden. Ob der Beitrag, das Profil oder der Hasskommentar gelöscht werden, entscheiden weiterhin die Plattformen.
Zusätzlich gibt es Koordinierungsstellen, die dich supporten. In Deutschland übernimmt die Bundesnetzagentur die Rolle der „Koordinierungsstelle für digitale Dienste“ und sorgt dafür, dass Plattformen sich an den DSA halten. Selbst bei Plattformen mit Sitz im Ausland nimmt sie Beschwerden entgegen, prüft diese und leitet sie weiter.
Externe Meldestellen: Auch hier kannst du digitale Gewalt melden
Neben dem direkten Melden von Hasskommentaren und digitaler Gewalt auf den Social-Media-Plattformen selbst, gibt es in Deutschland verschiedene Anlauf- und Meldestellen, an die du dich wenden kannst:
- Zentrale Meldestelle für strafbare Inhalte im Internet (ZMI): Das Bundeskriminalamt (BKA) bietet eine Auflistung von kooperierenden Meldestellen, bei denen du deine Meldung einreichen kannst.
- respectimnetz.de: Eine bundesweite Meldemöglichkeit und pädagogische Angebote findest du bei unserem Kooperationspartner REspect! im Netz.
- HessenGegenHetze: Wenn du in Hessen lebst, kannst du digitale Gewalt direkt dort melden.
- Zentralstelle zur Bekämpfung von Hasskriminalität im Internet – Niedersachsen (ZHIN): Personen aus Niedersachsen können hier Hass und digitale Gewalt anzeigen.
Hasskommentare anzeigen: Täter*innen das Handwerk legen
Bestimmte Inhalte im Internet können einen Straftatbestand wie Beleidigung (§ 185 StGB), Volksverhetzung (§ 130 StGB) oder Bedrohung (§ 241 StGB) erfüllen und angezeigt werden..
Voraussetzung: Du hast vor dem Löschen Beweise gesichert. Dafür reicht es, wenn du rechtssichere Screenshots erstellst.
- Eine Anzeige kannst du jederzeit über die Online-Wache der Polizei aufgeben.
- Bist du betroffen von sexualisierter digitaler Gewalt und hast beispielsweise ein Dickpic bekommen, kannst du das Anzeigenschreiben ganz einfach mit unserem Service auf dickstinction.com erstellen und anschließend an die Polizei schicken.
Fazit: Bleib stark, wehr dich und hol dir Hilfe
Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Wenn du Hasskommentare, Profile und Postings meldest, juristische Schritte einleitest und dir Unterstützung holst, schützt du nicht nur dich selbst und andere, sondern sorgst zusätzlich dafür, dass das Internet zu einem besseren Ort wird.
