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Themenwoche: Sexismus im Gaming

#ichspielenichtmit – unter diesem Hashtag starten wir in die nächste HateAid-Themenwoche. Wir beschäftigen uns in den kommenden Tagen mit Sexismus in der Gaming-Szene. Sexismus und Gaming? Wie das zusammenpasst? Eigentlich gar nicht, finden wir! Trotzdem ist Sexismus eine Form von digitaler Gewalt, von der zunehmend immer mehr Gamerinnen betroffen sind: Gamerinnen werden beim Spielen sexuell belästigt, beschimpft und belächelt, sie werden in Multiplayer-Spielen nicht ernstgenommen oder versuchen sogar, ihr Geschlecht zu verheimlichen.  

In den nächsten Tagen sprechen wir mit einigen Gamerinnen, die Sexismus im Gaming erlebt haben und sagen #ichspielenichtmit! Wir werden erfahren, wie sie diese Form von digitaler Gewalt empfunden haben, wie sie mit den Vorfällen umgegangen sind und warum Sexismus im Gaming (ebenso wie alle Formen von digitaler Gewalt übrigens) kein  plattformabhängiges Phänomen ist.  

Das klingt spannend, oder? Finden wir auch! Unsere gesamte Themenwoche spielt sich wie immer auf unseren Social-Media-Kanälen ab. Also, stay tuned for more… 

Sexismus im Gaming 

Schon lange ist die verstaubte Annahme, nur (heterosexuelle cis) Männer würden spielen, überholt. Mittlerweile sind 48 % der deutschen Gamer*innen Frauen. Trotzdem wirkt die Branche weiterhin männerdominiert. Das liegt unter anderem daran, dass viele Frauen sexualisierte digitale Gewalt im Gaming erfahren. 

Twitch ist nur eine der Plattformen, auf der diese Form von digitaler Gewalt auftritt. Eine kurze Erklärung für alle Nicht-Gamer*innen: Twitch ist eine Livestream-Plattform, auf der Gaming-Fans Gamer*innen beim Spielen zusehen können. Die Gamer*innen können über Video und Mikrofon miteinander oder auch mit den Zuschauer*innen kommunizieren. Die Zuschauer*innen selbst können sich über eine Kommentarspalte äußern. Twitch bietet also die Möglichkeit, eine sehr interaktive Form des Gamings zu erleben. 

Wenn weibliche Gamerinnen ihre Kameras beim Streaming einschalten, fallen allerdings häufig Kommentare über ihr Aussehen. Viele Gamerinnen berichten, dass die Kommentare nicht mehr das Spiel betreffen, sondern von Flirtversuchen, über Anzüglichkeiten bis hin zu Beleidigungen reichen. Das ist für betroffene Streamerinnen verstörend, irritierend – und kann außerdem strafbar sein!  

Der Ton macht die Musik 

In der Gaming-Szene herrscht häufig ein rauerer Ton als auf anderen Plattformen – das ist bis zu einem bestimmten Punkt nachvollziehbar: Gamer*innen sind oft emotionsgeladen, wollen Spiele gewinnen und sind dementsprechend frustriert, wenn sie verlieren. Trotzdem: Es gibt einen klar erkennbaren Unterschied zwischen der allgemein raueren Gaming-Sprache und sexistischen Äußerungen, die im Rahmen von Spielen fallen.  

Wenn Gamerinnen aufgrund ihres Geschlechts angefeindet oder diskriminiert werden, dann ist das Sexismus. Dieser kann sich äußern, wenn andere Mitspieler*innen die Niederlage eines Teams einer Frau zu schreiben, „weil Frauen nicht so gut zocken wie Männer“. Oder aber auch, wenn sexualisierte Beleidigungen im Chat, in den Kommentaren der Zuschauer*innen oder zwischen den Gamer*innen fallen. Chenelle, eine Gamerin, die mittlerweile nicht mehr auf Twitch streamt, sagt: „Ich würde behaupten, dass jede Streamerin damit schon mal zu tun gehabt hat.“ Auch Männer werden beim Zocken diskriminiert – aber nur in wenigen Ausnahmefällen durch sexistische Kommentare! 

Über den Unterschied zwischen rauer Gaming-Sprache und sexistischer Sprache haben wir auch mit dem Gaming-Psychologen Dr. Benjamin Strobel und der Journalistin und Gamerin Lara Keilbart gesprochen. Die ausführlichen Interviews findest du, wenn du auf die Bilder klickst.

Die Anonymität im Netz 

HateAid-Follower*innen wissen: Anonymität im Netz bringt neben Vorteilen auch viele Gefahren mit sich. So auch im Gaming. Anfeindungen gehen häufig – aber nicht nur – von anonymisierten Accounts aus. Das macht die Nachverfolgung von gemeldeten diskriminierenden Kommentaren für Betroffene besonders schwer.  

Hinzukommt das sogenannte Raiden: Raiding bedeutet, dass andere Streamer*innen ihre Follower*innen zu einem*einer anderen Gamer*in schicken. So können auch weniger bekannte Gamer*innen eine größere Reichweite bekommen. Gleichzeitig können so aber auch organisierte Trolle und Hater*innen gleichzeitig auf den Channels betroffener Personen einfallen und diese bedrohen, beleidigen und beschimpfen. Diese Form der Anfeindungen betrifft ebenfalls besonders häufig marginalisierte Gruppen – und – du hast es sicherlich schon erraten – unter anderem Frauen. 

Sexismus im Gaming führt dazu, dass einige Gamerinnen ihr Geschlecht hinter „neutralen“ Tags, also Spielernamen, verstecken und Kamera und Mikrofon ausgeschaltet lassen – und das nur, um nicht als Frau und mögliche Zielscheibe für sexistische digitale Gewalt erkannt zu werden. Das muss sich ändern!  

Weitere Probleme von Sexismus im Gaming 

Sexistische Sprache, erzwungene Anonymität von Gamerinnen, sexuelle Belästigung beim Zocken – Sexismus im Gaming äußert sich auf vielen Wegen. Noch ein Punkt, der für viel Aufsehen sorgt: Die sexualisierte Darstellung weiblicher Rollen im Gaming. Die Medienkritikerin Anita Sarkeesian analysierte zwischen 2013 und 2017 die vorrangig sexualisierende und objektifizierende Darstellung von Frauen in Videospielen – und erntete daraufhin einen riesigen Shitstorm. Das zeigt unter anderem: Kritik an den „traditionellen“ sexistischen Darstellungen von Frauen in Games wird weiterhin viel Unverständnis und teilweise sogar Gewalt entgegengebracht! 

Die Debatte um Sexismus im Gaming ist nicht neu: 2014 gipfelte sie im sogenannten „#Gamergate“. Journalist*innen und Medienkritiker*innen wie Anita Sarkeesian, die auf Sexismus im Gaming hingewiesen hatten, wurden zur Zielscheibe zahlreicher Shitstorms, Morddrohungen und Anfeindungen. Es stellte sich später heraus, dass vor allem männliche Gamer des rechten Spektrums das #Gamergate befeuerten.  

Die Aufzählung von sexistischen Vorfällen in der Gaming-Szene könnten wir noch seitenlang weiterführen. Du siehst aber wahrscheinlich auch jetzt schon: Bei Sexismus im Gaming hört der Spaß auf! Plattformen, auf denen gezockt, gestreamt und kommentiert wird, müssen für alle Gamer*innen safe sein!  

Gaming für alle sicherer machen – aber wie? 

Die Betreiber*innen von Gamingplattformen müssen in die Pflicht genommen werden, das ist keine Frage! Aber was sich auch und vor allem ändern muss, ist die Wahrnehmung von und der Umgang mit Gamerinnen! 

Das iRights.Lab hat mithilfe der Förderung durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ein spannendes Projekt gestartet: Es ist dabei, das Serious Game haterebel zu entwickeln, in dem Counterspeaker*innen, also Personen, die aktiv gegen Hassrede laut werden, gegen Hater*innen in den Kampf ziehen. Die Handlungsstrategien gegen Hatespeech stehen im Zentrum des Games. Wir sind schon total gespannt auf das Ergebnis und hoffen, dass es dazu beiträgt, angefeindeten Gamer*innen den Rücken zu stärken.  

Auch wir sind natürlich für alle Betroffenen von Sexismus und anderen Formen von digitaler Gewalt im Gaming da. Du erreichst uns über unser Meldeformular. Wir stehen dir mit Rat und Tat und – in aussichtsreichen Fällen – ggf. mit unserer Prozesskostenfinanzierung zur Seite.  

Auf geht’s in die Themenwoche 

Das war unser erster kleiner Einblick in die Themenwoche zu Sexismus im Gaming – ein wirklich wichtiges Thema! Wir freuen uns schon darauf, in den kommenden Tagen mehr zu lernen und von den Gamerinnen und Betroffenen zu erfahren und hoffen, dass du dabei bist. Zeig uns deine Solidarität gern, indem du #ichspielenichtmit verwendest. 

Wenn du vorher, während oder nach der Themenwoche etwas tun möchtest, um selbst aktiv gegen Hass im Netz zu werden: Sehr gerne! Hilf uns mit einer kleinen Spende, damit unsere Betroffenenberatung auch in Zukunft kostenlos bleibt für alle, die sie brauchen. Hier geht’s zum Spendenformular.

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