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Deplatforming: Hater*innen ausschließen – hilft das?

Der Begriff „Deplatforming“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so etwas wie „jemandem die Plattform nehmen“. Es bezeichnet die Aktion, bei der Social-Media-Plattformen aktiv User*innen, die mehrmals oder besonders extrem gegen ihre Richtlinien verstoßen haben, von ihrer Plattform entfernen. Die Konten dieser User*innen werden geblockt, Beiträge entfernt, Videos gelöscht.  

Deplatforming als Reaktion auf Hassrede 

Social-Media-Plattformen sperren immer wieder die Profile von Nutzer*innen, die Hass verbreiten. Viele Konten von Rechtsextremist*innen wurden von Facebook, Twitter und Co. entfernt. Gerade in diesem Jahr häufen sich entsprechende Meldungen.  

Die Corona-Pandemie führt dazu, dass vermehrt Verschwörungstheoretiker*innen auf die Straße gehen, um gegen die Corona-Auflagen zu demonstrieren und gleichzeitig ihre Verschwörungstheorien zu verbreiten. Im Internet passiert das gleichermaßen. Nicht zu beweisende Behauptungen werden als Wahrheiten deklariert und Menschen gegeneinander aufgehetzt.  

Die großen Plattformen Facebook, Twitter und Youtube reagieren darauf: Sie gehen häufiger gegen das Verbreiten von Hetze und Hass vor und nehmen User*innen die Plattform.  

Was passiert dann? 

Einige der User*innen werden allerdings nur vorübergehend gesperrt. Aktuell braucht es bei Twitter drei aufeinanderfolgende Verstöße gegen die Richtlinien, um endgültig von der Plattform entfernt zu werden. Werden die User*innen nur vorübergehend blockiert, so kann das dazu führen, dass sie bei ihrer „Rückkehr“ zur Plattform zusätzliche Aufmerksamkeit bekommen.  

Auf Twitter, Facebook und Co. gesperrte Nutzer*innen suchen sich nach ihrer Sperre auf den großen Plattformen oft alternative Seiten, um ihre radikalen Meinungen und ihre Hetze weiterzuverbreiten. Sie weichen dabei häufig auf an weniger strenge Richtlinien gebundene Messenger-Dienste oder Foren aus. Telegram ist einer dieser Dienste, der momentan von vielen radikalen User*innen genutzt wird.  

Die Reichweite auf den „kleineren“ Plattformen ist weniger groß als die bei Facebook, Twitter und Co. Gleichzeitig ist aber auch das Publikum in vielen Fällen weniger kritisch und anfälliger für Hetze, Hass und Verschwörungstheorien. Die auf digitalen Rechtsextremismus spezialisierte Journalistin Karolin Schwarz erklärt, dass es auf den alternativen Seiten häufig keinen Widerspruch gibt. Es handele sich meistens um Gleichgesinnte, was dazu führe, dass hassbasierte Aussagen angenommen werden, ohne dass jemand sie hinterfragt. Dadurch könne es einfacher, schneller und vor allem unkontrollierter zu einer Radikalisierung kommen. 

Kritik an Deplatforming 

Deplatforming ist ein oft kritisiertes Vorgehen. Kritiker*innen sehen durch Deplatforming die Meinungsfreiheit der User*innen eingeschränkt. Dabei ist aber zu beachten, dass die Meinungsfreiheit ihre Grenzen hat und diese durch die Social-Media-Kanäle auch in Form von Deplatforming aufgezeigt werden können.  

Außerdem herrscht Kritik an der Macht der Netzwerke, die Deplatforming mit sich bringt. Betroffene können auf marktdominierenden Plattformen wie Facebook, Twitter und Co. nur sehr schwer Widerspruch einlegen. Einmal von einer großen Plattform verbannt, verlieren Betroffene möglicherweise ihre gesamte Reichweite – rechtmäßig entfernte User*innen gleichermaßen wie möglicherweise fälschlich gelöschte User*innen.  

Zusätzlich wird an Deplatforming kritisiert, dass es die Marktdominanz bestimmter Konzerne begünstigt. Google beispielsweise könne durch die Einstellung seiner Algorithmen die Suche nach bestimmten Inhalten steuern und durch Deplatforming letztendlich beeinflussen, wer weiterhin auf sozialen Netzwerken auffindbar ist und wer nicht. 

Ist Deplatforming sinnvoll? 

Deplatforming sorgt dafür, dass User*innen von größeren Plattformen verbannt werden. Nicht aber dafür, dass sie nicht mehr Hass und Hetze verbreiten können.  

Ebenso wie Rechtsextremismusexpertin Karolin Schwarz sieht es auch ihr Kollege, der Extremismusforscher Jakob Guhl. Er ist gleichermaßen der Meinung, dass Radikalisierungsprozesse in eingeschlossenen Räumen wahrscheinlicher sind. Nutzer*innen, die ihren verbannten Vorbildern möglicherweise unmittelbar in das alternative Netzwerk folgen, sind oft empfänglicher für Hassrede und Verschwörungstheorien. 

Andererseits erreicht auf kleineren Plattformen verbreiteter Hass weniger Nutzer*innen und reduziert somit die Reichweite der Botschaften. Das Ausschließen bekannter User*innen führt gleichzeitig dazu, dass sich ihre Einnahmen, die sie über Social-Media-Kanäle generieren, deutlich verringern. Deplatforming kann also bei bekannten Personen und Organisationen zu finanziellen Nachteilen führen, was gleichzeitig zur Folge hat, dass diese Einnahmen nicht weiter zur Verbreitung von Hass und Hetze genutzt werden können.  

Es gibt also positive wie auch negative (Neben-) Effekte von Deplatforming.  

Bei allen Vor- und Nachteilen gilt jedoch: Deplatforming ist ein wichtiger Teil eines guten Community Managements. Die Profile von Hass und Hetze verbreitenden User*innen werden entfernt. Ihnen wird die Möglichkeit genommen, ihre diskriminierenden Inhalte ungehindert auf den großen Plattformen wie Facebook, Twitter und Co. zu verbreiten. Dadurch verringert sich ihre öffentliche Sichtbarkeit. Deplatforming ist wichtig, um ein Zeichen gegen Hass zu setzen und das Internet zu einem sicheren Raum für alle zu machen. 

Wie hilft HateAid? 

Manchmal kann es vorkommen, dass Nutzer*innen zu Unrecht blockiert und gesperrt werden. Das ist nicht zuletzt mit Blick auf den Meinungspluralismus problematisch. Sollte dir das passieren, kannst du dich an uns wenden. Wir unterstützen dich dabei, Beweise dafür zu finden, dass du nichts Unrechtes veröffentlicht oder geschrieben hast und helfen, mit den Plattformen in Kontakt zu treten. 

Und wenn du dazu beitragen willst, Hetzende von den Plattformen zu drängen, heißt es: Melden! Wie du das auf den einzelnen Plattformen tun kannst, liest du in den häufigen Fragen in unserem Ratgeber

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